Prävention/Vorsorge
verantwortlich für den Inhalt:
Prof. Dr. Klaus Neis, Dr. Annette Kölsch,
Brustzentrum Saarbrücken am Klinikum Saarbrücken
Einführung
Das Ziel aller Bemühungen um Verbesserung der Heilungschancen bei Brustkrebs ist das frühzeitige Erkennen der Erkrankung. Auch heute noch werden circa 80% aller bösartigen Knoten in der Brust von den Frauen selbst entdeckt. Allerdings ist das Ertasten eines bösartigen Knotens keine wirkliche Früherkennung.
Optimale Früherkennung bedeutet die Entdeckung der Krankheit, bevor sie tastbar wird.
Ideal wäre die Möglichkeit einer echten Prävention, also vorbeugender Maßnahmen, sodass Brustkrebs erst gar nicht entsteht. Da allerdings zuwenig über die "Ursache" der Brustkrebsentstehung bekannt ist, kann keine wirkliche Vorbeugung betrieben werden.
Es existieren daher keine wissenschaftlich gesicherten Maßnahmen, die Frauen, insbesondere mit erhöhtem Risiko, einfach und effektiv vor Brustkrebs schützen können.
Es gibt Empfehlungen zum Lebensstil, die einen gewissen Schutz zu bieten scheinen, wie Vermeiden von Übergewicht, fettarme Ernährung, wenig Alkoholkonsum und regelmäßig körperliche Bewegung. Bei Frauen mit nachgewiesener erblicher Belastung können theoretisch psychisch belastende operative Maßnahmen (sozusagen „vorbeugende Brustentfernung/ Eierstockentfernung“) angeboten werden, die jedoch selten eine für die einzelne Frau akzeptable Lösung darstellen. Hier ist intensivste Beratung und Aufklärung erforderlich.
Für vorbeugende medikamentöse Schutzmaßnahmen mit Antihormonen gibt es aktuell noch keine generellen Empfehlungen. Hier müssen die Ergebnisse mehrerer Studien abgewartet werden sowie Vor- und Nachteile streng abgewogen werden.
Da keine echte Vorbeugung möglich ist, sind regelmäßige Vorsorgemaßnahmen, insbesondere bei Frauen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko, sehr wichtig, um eine Brustkrebserkrankung frühzeitig zu erkennen.
Bei der Vorsorge versucht man nun auch in Deutschland neue Wege zu beschreiten:
- Es werden zunehmend wichtige Aufklärungskampagnen über Vorsorge im allgemeinen und Brustkrebs im Speziellen durchgeführt.
- Zahlreiche Informationen zu der Erkrankung werden den Frauen über Informationsveranstaltungen und die Medien zur Verfügung gestellt.
- Brustzentren bieten regelmäßig Patientinnenveranstaltungen und Fortbildungen an, es gibt offene Onlineforen und natürlich Informationen im Rahmen dieser Internetseiten.
Neben der Empfehlung der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt, spielt die Selbstuntersuchung der Brust durch die Frau eine wichtige Rolle.
Selbstuntersuchung
Die Selbstuntersuchung sollte jede Frau regelmäßig einmal im Monat durchführen. Der beste Zeitpunkt ist innerhalb der ersten 10 Tage nach der Monatsblutung, da in dieser Zeit das Brustgewebe besonders weich ist. In den Wechseljahren und den Jahren danach kann die Brustuntersuchung entweder immer am gleichen Tag im Monat oder - bei Hormoneinnahme - an einem bestimmten Tag der Einnahme erfolgen. Am besten lässt sich die Brust beim Baden, Duschen oder Eincremen beurteilen. Wenn bei der Tastuntersuchung etwas Auffälliges bemerkt wird, sollte eine weitere Abklärung beim Arzt erfolgen. Die bei der Selbstuntersuchung entdeckten Veränderungen sind zwar meistens gutartig, dennoch ist eine Klärung durch eine Untersuchung beim Frauenarzt unerlässlich.
Screening
Derzeit wird in Deutschland mit dem Mamma-Screening-Programm ein Früherkennungskonzept etabliert. Dies heißt, dass jede Frau zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr alle 2 Jahre ein Anrecht auf eine Mammographie hat und zur Durchführung der Untersuchung eingeladen wird. Im Saarland bedeutet dies, dass alle 2 Jahre etwa 140.000 Frauen zu dieser Untersuchung eingeladen werden müssen. Damit dieses Programm erfolgreich verläuft, müssen mindestens 70% der Frauen dieser Altersgruppen daran teilnehmen.
Derzeit werden im Saarland die Voraussetzungen geschaffen, damit diese Untersuchungen im November 2006 beginnen können.
Genetische Beratung
Etwa 25% aller Brustkrebserkrankungen können als „familiär“ im weiteren Sinne bezeichnet werden, aber nur etwa 5% sind tatsächlich erblich bedingt und werden damit durch Veränderungen auf bestimmten Genen vererbt. Benannt sind die Gene BRCA1 und BRCA2. BRCA steht für „breast cancer ".
Diese Genveränderungen können durch verschiedene Labortests nachgewiesen werden. Es muss noch weitere vererbbare Brustkrebsgene geben, die aber noch nicht genau bekannt sind. Allerdings liegen genetische Veränderungen weitaus seltener vor als von Frauen mit Brustkrebserkrankung in der Familie oft befürchtet wird. Des weiteren sind die Möglichkeiten der Schutzmaßnahmen bei betroffenen Frauen heute noch sehr eingeschränkt. Gerade deswegen ist aber Beratung wichtig, die vom Frauenarzt und Humangenetiker angeboten wird.
Eine Beratung kann prinzipiell bei familiärer Häufung von Brust- oder Eierstockkrebs, aber auch bei genereller Häufung von Krebserkrankungen in einer Familie angeboten werden.
Bei folgenden Gegebenheiten ist eine eingehende humangenetische Beratung und ggf. Gentestung sinnvoll:
- mindestens zwei Frauen der Familie mit Brust- und/oder Eierstockkrebs, davon eine unter 50 Jahren
- eine Frau der Familie mit einseitigem Brustkrebs unter 30 Jahre
- eine Frau der Familie mit beidseitigem Brustkrebs unter 40 Jahre
- eine Frau der Familie mit Eierstockkrebs unter 40 Jahre
- eine Frau der Familie mit Brustkrebs und Eierstockkrebs
- ein Mann der Familie mit Brustkrebs
- mindestens drei in der Familie mit Brustkrebs
zuletzt aktualisiert am 25. Januar 2013